Das Kinderwillkommensfest.
Eine Zeremonie für ein Kind. Ohne Kirche, ohne Taufe.
Ein Kind kommt an, und niemand weiß, wie man das feiert. Die Taufe passt nicht mehr, und ein Kaffeetrinken ist zu wenig.
Was ein Kinderwillkommensfest ist
Ein kinderwillkommensfest ist eine freie Zeremonie, mit der ein Kind in seiner Familie und seinem Umfeld willkommen geheißen wird. Es ist die weltliche Entsprechung zur Taufe: ohne Konfession, ohne Sakrament, ohne Kirchenzugehörigkeit.
Andere Namen dafür sind Willkommensfeier, Namensfeier oder freie Taufe. Gemeint ist jeweils dasselbe. Es gibt keine vorgeschriebene Form und keinen Eintrag in ein Register. Was bleibt, ist eine Erinnerung und in den meisten Fällen eine Urkunde.
Warum Familien es wählen
Die Gründe ähneln sich. Meistens ist mindestens ein Elternteil nicht in der Kirche. Manchmal gehören die Eltern verschiedenen Konfessionen an, und keine soll gewinnen. Oft ist es einfacher: Sie wollen etwas sagen, das sie selbst glauben.
Und es gibt einen Grund, der seltener ausgesprochen wird. Eine Geburt verändert eine Familie so grundlegend, dass sie einen Moment braucht, in dem das anerkannt wird. Nicht für das Kind — für alle anderen.
Das Kind wird die Zeremonie nicht erinnern. Alle anderen schon.
Der Ablauf
Ein Kinderwillkommensfest dauert zwischen dreißig und fünfundvierzig Minuten. Länger geht mit kleinen Kindern im Raum nicht gut, und es muss auch nicht.
- Ankommen. Musik, Begrüßung, ein Satz darüber, warum alle heute hier sind.
- Die Geschichte. Wie das Kind zu euch gekommen ist. Was sich seitdem verändert hat.
- Der Name. Warum er dieser geworden ist und keiner der anderen.
- Das Versprechen der Eltern. Kurz, konkret, keine Liste von Idealen.
- Die Patinnen und Paten. Sie treten vor, werden gefragt, antworten.
- Das Ritual. Der eine Moment, den alle fotografieren.
- Die Wünsche. Die Gäste geben etwas dazu — gesprochen oder geschrieben.
- Der Abschluss. Ein Satz an das Kind. Dann Musik.
Die Frage nach den Paten
Ohne Kirche gibt es keine Patenschaft im rechtlichen Sinn. Es gibt sie trotzdem, und sie ist stärker, weil sie nichts als eine Zusage ist. Was sie nicht regelt, steht unter patenschaft ohne kirche — und die Verwechslung dort ist folgenreich.
Was in der Zeremonie passiert: Die Patinnen und Paten werden namentlich gefragt, ob sie da sein wollen — nicht abstrakt, sondern für etwas Konkretes. Es hilft sehr, wenn ihr vorher aufschreibt, wofür genau ihr sie fragt.
- „Willst du derjenige sein, zu dem sie kommt, wenn wir gerade unmöglich sind.“
- „Willst du ihm die Dinge beibringen, für die uns die Geduld fehlt.“
- „Willst du dich erinnern, wie er als Kind war, wenn er es selbst vergessen hat.“
Rituale
Ein ritual ist der Teil, den das Kind später auf Fotos sieht. Es sollte kurz sein, sichtbar für alle und ohne Erklärung verständlich.
- Der Baum. Ein Baum wird gepflanzt, jeder Gast gibt eine Handvoll Erde dazu. Braucht einen Ort, an dem er wirklich stehen bleiben darf.
- Die Wunschsteine. Jeder Gast beschriftet einen Stein, alle kommen in ein Glas. Funktioniert auch in einer Wohnung.
- Das Band. Ein langes Band geht durch alle Hände und wird zuletzt um das Handgelenk des Kindes gelegt. Sehr stark, sehr einfach.
- Der Brief. Alle schreiben an das Kind mit achtzehn. Die Briefe werden verschlossen und weggelegt. Das ist das Ritual, bei dem später am meisten geweint wird.
- Das Licht. Eine Kerze, an der alle anderen entzündet werden. Draußen schwierig, drinnen wunderschön.
Wann, wo, wie lange
Der beliebteste Zeitpunkt liegt zwischen dem dritten und dem zwölften Lebensmonat. Früher ist für die Eltern anstrengend, später wird das Kind zum aktiven Teilnehmer — was auch schön sein kann, aber eine andere Zeremonie ergibt.
Als Ort funktioniert fast alles: ein Garten, ein Waldstück, ein Wohnzimmer, ein gemieteter Raum. Wichtiger als der Ort ist ein Rückzugspunkt für Stillen, Wickeln und Schlafen. Und ein Plan B bei Regen, der nicht erst am Morgen gemacht wird.
Für die Uhrzeit gilt eine einfache Regel: Legt die Zeremonie in das Zeitfenster, in dem euer Kind normalerweise wach und zufrieden ist. Alles andere ordnet sich unter.
Wenn ihr eine Zeremonie sucht, die euer Kind meint.
Kinderwillkommensfest